Gast-News
Auf der "Neuropsychoeconomics" Konferenz in Rom waren die Emotionen des Menschen Mittelpunkt aller Vorträge. Hier einige interessante Ausschnitte:
Messbar liebt der Mensch die Schadenfreude mehr als den gemeinsamen Sieg. Und entwickelt bereits im Alter von 2 bis 3 Jahren das Emotionspaket Neid. Eine wichtige Emotion die es uns ermöglicht, unseren sozialen Status abzuprüfen, und nach Höherem zu Streben. Die Emotion Bedauern ist weitaus komplexer und bildet sich erst ab dem 6. Lebensjahr.
Ein weiterer, sehr gelungener Vortrag von Konrad Rudnicki über eine zweite, eher geächtete Eigenschaft des Menschen. Das Lästern. Auf Englisch "Gossip".
Der Doktorand wollte wissen, was fremde Menschen dazu bringt, sich zu mögen. Erste emotionale Bindungen einzugehen. Und er fand heraus, dass das "Lästern" dazu beiträgt, andere zu mögen. Gemeinschaftliches Lästern erzeugt Bindungen. Dabei ist das Lästern besonders bei sozial offenen (pro-social) Menschen eine ausgeprägte Eigenschaft.
Diese zwei kleinen Ausschnitte der wissenschaftlichen Speerspitze der Ökonomie (die Kombination von Neurowissenschaft, Psychologie und Ökonomie) zeigen auf, dass die Bewertung von Emotionen mit Vorsicht zu genießen sind. Grundsätzlich Emotionen, "Hass" inkludiert, in Schwarz-Weiß Schubladen zu schieben, ignoriert ein Meer aus Erkenntnissen.
Dazu gehört der Vorwurf, dass Social-Media Kanäle wie Instagram die Wirklichkeit verzerrte. Weil dort lediglich Positives aus dem Leben der Nutzer berichtet werden würde. Das führte dazu, dass Menschen unrealistisch positive Eindrücke vom Leben anderer bekämen und sich selbst unnötig schlecht fühlten. Auf der Konferenz wurde jedoch belegt, dass fremden Menschen tendenziell eher Positives mitgeteilt wird und Freunden eher Negatives. Auch das ist die Natur des Menschen. Das "positivistische" Instagram ist lediglich eine Folge, natürlichen Verhaltens.
Man teilt den fremden online Freunden übertrieben positive Bilder aus dem Leben mit, weil man Mensch ist. Der Dritte mag das eben beneiden, weil man Mensch ist. Und mit weiteren Dritten im Forum mit viel Herz darüber lästern, weil man Mensch ist.
Wissen wir also, was den Menschen ausmacht? Abwarten, denn:
Der letzte Vortrag betraf Oxytocin. Das Ihnen bekannte Kuschelhormon ist längst im Interesse der Ökonomen, darunter übrigens auch essentielle Stoffe, wie z.B. das Tryptophan. Es ist bekannt, dass es am Ende die Moleküle sind, die uns zum Menschen machen und unsere Handlungsweisen erklären.
Am Ende steht also fest, dass sich ökonomisches Wissen unlängst der Molekularmedizin und der Epigenetik anzugleichen sucht. Und damit mehr und mehr die Grenzen zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, ja sogar zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verschwinden werden.
© 2026 Dr. Ulrich Strunz