Der Krankheit davonrennen.

Artikel .1023 vom 15.07.2019

Davonrennen! Rennen! Nix Jogging. Nix „Sporteln“. Sie kämen selbst auf diesen Unterschied dann, wenn es Sie träfe so wie die mail-Schreiberin. Es geht – natürlich – wieder einmal um Krebs.

Selten realisieren Sie, dass es auch Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit treffen wird. Je nach Lesart 30% bis 50% aller Deutschen im Laufe ihres Lebens. Vielleicht sollte man sich doch vorher rüsten? Bei Ihrer Rente ist Ihnen dieser Gedanke selbstverständlich. Seltsam...

Die mail-Schreiberin kenne ich nicht. Ihr Brief freilich ist bemerkenswert. Darf ich?

„Ich wollte schon lange einfach Danke sagen...
Danke, dass es mir heute so gut gehen darf. Ich hatte 2005 Unterleibskrebs und bin der Krankheit danach einfach davon gerannt. Es hatten sich Lymphozelen gebildet, nach dem man viele Lymphknoten entfernt hatte (Kommentar: Eine häufige und quälende Folge nach OP). Ich konnte am Anfang kaum 30 min. rennen, da hat die Wasseransammlung schon auf den Beinnerv gedrückt. Mein eiserner Wille gab nicht auf, bin mit einem Coldpack auf die Finnenbahn, habe mich immer dann, wenn der Wahnsinnsschmerz kam, auf eine Bank, gelegt und gekühlt, bin danach weiter gerannt. Irgendwann waren die Wasseransammlungen verschwunden.

Zu der Zeit hab ich schon einige Bücher von Ihnen gelesen, und eben durch meine Krankheit langsam mein Leben geändert. Im 2011 lief ich den New York Marathon, einige Halbmarathons vorher...

Seit einem halben Jahr nehme ich jetzt nach einem Fitnessbluttest gezielt NEMs, esse low carb, manche regelmäßig Sport, mein Ziel im 2022 den Bieler 100 km Lauf.

Keine Ahnung ob ich den schaffe, mir geht es jetzt erstmal um die Trainingsvorbereitungen… im August der Rheinfallhalbmarathon, im Oktober der Bräunlingerlauf, im November der Stein am Rhein Lauf... usw.

Ich nehme seit einem halben Jahr gezielt Aminosäuren, Astaxanthin, Taurin, noch einiges mehr, und tatsächlich fange ich mit meinen 50 Jahren an zu fliegen... hätte ich nie gedacht, dass es mir heute besser geht als vor 20 Jahren.

Danke.“

Mitbekommen? Haben Sie sich hineingefühlt? Erst einmal Krebs und die Angst vor dem Rezidiv. Vor dem Wiederauftreten.

Und dann die typischen, ungeheuer schmerzhaften Folgen nach Entfernung von Lymphknoten. Lymphe kann sich dann im Bindegewebe stauen. Das schmerzt. Das tut weh, hier sehr richtig mit „Wahnsinns-Schmerz“ beschrieben. Dann nämlich, wenn diese gestaute Lymphe auf den Beinnerv drückt.

Typischer Kommentar Dr. Strunz: Kenne ich natürlich auch persönlich. Übrigens seltsam. Fast alles, was Sie mir schildern, habe ich persönlich erlebt. In dem Fall gerissenes Blutgefäß im Gesäß. Fußballgroße Beule, die auf den Ischias drückte. Sie glauben gar nicht, wirklich nicht, wie Sie da brüllen. Auch ich.

Die mail-Schreiberin hat ´s überwunden. Wie? Mit Zähigkeit. Mit eisernem Willen. Mit „Weiter-Rennen.“ Und dann ist sie aufgewacht. Sie kennen meinen Begriff „die Ohrfeige Gottes“.

Und reagiert goldrichtig. Erinnern Sie sich an Frau Prof. Dr. Kiechle (München)? Die meinte, dass ihre Patientinnen zu 50% weniger Brustkrebs hätten dann, wenn sie täglich joggen würden. Tja. Joggen jetzt alle Münchener Frauen?

Aber dann: Da hat jemand fliegen gelernt. Da hat jemand verstanden, wovon ich vor 20 Jahren im Fernsehen immerzu geschwärmt habe. Belächelt wurde. Dieses wundervolle Gefühl jeden Morgen, abzuheben, zu fliegen, Überblick zu haben, zu gewinnen. Unbeschreiblich.

Muss man selbst erleben. Und dass es einer 50-jährigen heute besser geht als vor 20 Jahren... geschenkt. Finden Sie überall gedruckt. Glaubt nur niemand.

Außer Ihnen, die Sie Ihre Blutanalyse hinter sich haben. Einverstanden.

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