Ich? Nie mehr!

Artikel .1052 vom 27.01.2020

Sterben muss zwar nicht, kann aber etwas Scheußliches sein. Besonders dann, wenn man wach und bewusst die Vernichtung des eigenen Körpers miterlebt. Diese Erkenntnis verdanke ich einer Tablette. Einer einzigen.

Einer weltberühmten Tablette.

Die Geschichte beginnt mit Rheuma. Gelenkbeschwerden hat in Deutschland jeder Zweite. Zum Glück gibt es – seit 1999 – die COX-Inhibitoren. Hießen früher einmal Aspirin. Wurden verbessert. So verbessert, dass schon im ersten Jahr nach Einführung die Wundermittel Celebrex und Vioxx 100 Millionen mal verschrieben wurden. Allein Celebrex machte 3,3 Milliarden Dollar Umsatz.

Ein ganz tolles, hoch modernes Schmerzmittel. Bis dann die Leute daran starben. Reihenweise. Allein in den USA erlitten etwa 140.000 einen Herzinfarkt durch Vioxx. Wurde übrigens in der berühmten (englischen!) Zeitschrift LANCET beschrieben von David Graham – gegen den Willen von dessen Arbeitgeber, der US-Arzneimittelbehörde FDA. Dunkelziffer weltweit natürlich unbekannt.

Vioxx wurde vom Markt genommen. Sie kennen das: Prozesse. Aberwitzige Schadenersatzzahlungen, z.B. 253,4 Mio. an einen einzelnen Texaner 2005. Aber deswegen hat die Pharmaindustrie auf diese raffinierte Substanz doch nicht verzichtet. Einer der Nachfolger heißt

Arcoxia

Hochmodernes Schmerzmittel. Eine Tablette genügte. Bei mir. Mitternacht. Und dann begann 12 Stunden sterben. Schön langsam. Eine ständig zunehmende Last auf der Brust, bis Atmen praktisch nicht mehr möglich war. Hilflosigkeit. Todesangst “Vernichtungsschmerz“. So also fühlt sich Infarkt an. Hab ich gespeichert.

Natürlich Notarzt. Natürlich Röntgen (Lunge kollabiert?), usw. Nichts. Nach 12 Stunden kamen wir darauf, dass ich diesen COX-Inhibitor genommen hatte.

Der erfrischende Kommentar des behandelnden Arztes: „Hätten Sie auch nur einen ganz geringen Herzschaden gehabt, wären Sie jetzt tot. Aufgrund dieser Tablette“.
Nun – mein Herz ist zum Glück „das eines 17-jährigen“ (Zitat Kardiologe nach UCT). Drum hab ich`s überlebt.

Ist das Leben nicht spannend?

Übrigens: Damit musste ich rechnen. Damit muss jeder rechnen, der die aberwitzige Welt der Pharmaindustrie in sein Leben eindringen lässt. Und das tun Sie täglich. Ich? Nie mehr!

zurück zur Übersicht

top